Wie sich die Generation Y auf dem Arbeitsmarkt verhält

Work-Life-Balance. Employer Branding. Diversity. Homeoffice. Sabbaticals. Für die meisten Personalchefs sind diese Begriffe ein Albtraum. Dennoch werden sie immer relevanter bei der Personalrekrutierung meiner Generation. Der Generation Y.

Man nennt uns Millennials, Digital Natives oder Egotaktiker. Für uns gibt es bereits so viele Bezeichnungen, dass man den Überblick verloren hat. Aber wer sind wir wirklich? Was wollen wir? Und wie arbeiten wir?

Wer wir sind

Wir sind die Generation, die zwischen 1980 und 1995 geboren ist. Wir sind technologieaffin und vernetzt. Wir sind Krisen gewohnt und haben gelernt uns anzupassen. Wir sind überwiegend im materiellen Wohlstand groß geworden. Und wir stellen alles infrage, was nicht selbsterklärend ist:

  • Wieso werfen ältere Generationen uns Faulheit, Größenwahn und Selbstverliebtheit vor?
  • Weshalb ist das Einzige, was wir ihrer Meinung nach gut können, das Simsen und die Optimierung unserer Freizeit?
  • Warum sind wir in ihren Augen Heulsusen und Weicheier?

Was wir wollen

Wir wollen Karriere machen, aber welche, das wissen wir doch nicht. „Irgendwas mit Medien.“ Wir lassen es auf uns zukommen, weil wir Ungewissheiten in unserer Lebensplanung gewohnt sind. Obwohl wir nicht wissen welche Karriere wir machen wollen, wissen wir ganz genau, was wir im Leben wollen.

Wir wollen unsere eigenen Entscheidungen treffen. Wir wollen Autonomie und gleichzeitig Gemeinschaft. Wir wollen uns selbst verwirklichen. Wir wollen Wandel und gleichzeitig Stabilität. Wir wollen uns weiterentwickeln. Wir wollen Karriere und gleichzeitig Zeit für unsere Familie. Und dabei wollen wir Geld verdienen.

Wie wir arbeiten wollen

Wie bereits in unserem Beitrag über Work-Life-Balance näher erläutert, ist die Trennung von Arbeit und Freizeit für meine Generation ein eher altmodisches Konzept. Für uns ist es kein Problem, auch nach Feierabend noch Arbeits-Mails zu beantworten. Im Gegenzug wollen wir dafür nicht während der Arbeitszeit auf Facebook verzichten. Kerstin Bund schreibt diesbezüglich Folgendes:

„In unserer Welt zerfließen die Sphären aus Arbeit und Privatleben wie die Milch und der Espresso in unserem Latte macchiato.“

Daher ist es umso wichtiger, dass wir einen Job finden, der möglichst gut zu unserem Privatleben passt. Denn wir wollen uns nicht anpassen müssen, um in ein Unternehmen zu passen. Finanzielle Anreize stehen nicht im Zentrum unserer Jobsuche. Firmenwagen, Bonuszahlungen oder Kapitalbeteiligungen sind zwar schön, aber viel wichtiger ist uns der Grad an Selbstbestimmung, den uns der Arbeitgeber zugesteht.

„Selbstbestimmung ist das neue Statussymbol unserer Generation.“

Wie wir arbeiten sollen

Komischerweise hinkt das Angebot an Arbeitsplätzen, die diese Wünsche erfüllen, stark hinter der Nachfrage der Generation Y her. Heutzutage wird man nach wie vor für langsames Arbeiten belohnt und für schnelles Arbeiten bestraft. Wer abends bis um 22 Uhr noch im Büro sitzt, schindet Eindruck beim Chef. Wer früher geht, um seine Kinder aus der Ganztagsschule abzuholen, sollte ein schlechtes Gewissen haben. Strikte Hierarchien und starre Arbeitszeiten sind das vorherrschende Mittel der großen Konzerne. Dementsprechend sind viele junge Fachkräfte unzufrieden in ihrem Job. Einer Studie von Deloitte zufolge wollen 34 Prozent der befragten Berufseinsteiger ihren Arbeitsplatz spätestens innerhalb der nächsten zwei Jahre wechseln.

Wir sind die Zukunft

Die Ansprüche meiner Generation sollten nicht als Bedrohung angesehen werden. Vielmehr sind sie eine große Chance, die Arbeitswelt zu restrukturieren. Wir sind technologieaffin, flexibel und besser ausgebildet als jede Generation vor uns. Wieso sollte man dieses Potenzial nicht nutzen?

 

Wenn ihr mehr zu diesem Thema lesen wollt, kann ich euch dieses Buch sehr empfehlen:

3 Idee über “Wie sich die Generation Y auf dem Arbeitsmarkt verhält

  1. Julie sagt:

    Ich falle als 95er Jahrgang gerade noch in die Generation Y rein und glaube, dass es einfach problematisch für viele ältere Führungskräfte ist, wenn da jetzt jemand frischen Wind reinbringt und die bisherigen Strukturen auf den Kopf stellt. Schließlich hat man es jahrelang so gemacht und es hat funktioniert. Aber da die Generation Y die Zukunft ist, werden sich unsere Ansprüche nach und nach durchsetzen müssen. Ich hoffe, dass diesbezüglich noch Veränderungen passieren. Denn niemandem hilft es, wenn man stupide seine 8 Stunden absitzt, obwohl man bereits nach 4 Stunden mit seiner Arbeit fertig ist. Hier sollte bei den Arbeitgebern noch ein Umdenken stattfinden, sonst wird man ewig auf der Stelle treten.
    Guter Artikel!
    LG Julie

    • Tizian Boelte sagt:

      Hey Julie!
      Vielen Dank für dein Feedback! Ich sehe das genauso, wie du! Strukturen veraltern und wir müssen uns für Veränderungen öffnen. Ein Umdenken findet teilweise bereits statt, aber der Arbeitsmarkt passt sich nur beschwerlich an „unsere“ Bedürfnisse an.
      Liebe Grüße
      Tizian

  2. Claudia Grajek sagt:

    Guter Artikel. Du triffst es damit auf den Nagel auf den Kopf.
    Wobei ich sagen muss, dass es für mich notfalls schon ginge, diese Trennung von Arbeit und Privatleben, solange ich meine Hobbys unterbekomme. Für mich war es bei der Jobwahl immer wichtig, ob und wie darin mein Hobby und meine Leidenschaft Platz findet.

    Wäre allerdings das Zerfließen von Hobby und Privat möglich gewesen, wäre ich nicht nur glücklicher gewesen, sondern auch wesentlich motivierter und effektiver. So habe ich mich nun selbstständig gemacht und kann mein Arbeitstag selbst gestalten.
    Unternehmen lassen mit ihrer Unflexibilität leider viel Wissen und Potenzial liegen und die Chance auf Innovationen. Die besten Ideen kommen schließlich nicht, wenn man den Bildschirm anstarrt.

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