Wofür arbeiten Sie?

„Wofür arbeiten Sie?“ Diese Frage stelle ich gerne jedem Mitarbeiter, der in unserem Unternehmen anfängt. Ich veröffentliche sie an dieser Stelle nur ungern, da die Antworten immer dann besonders gut sind, wenn sie spontan und unvorbereitet kommen. In 20 Jahren meiner Unternehmenspraxis gaben mir die verschiedenen Antworten immer wieder sehr interessante Einsichten und erlaubten einen Einblick in die grundsätzliche Einstellung vieler Menschen.

Wie würde Ihre eigene, spontane Antwort auf diese Frage lauten?

Es gibt keine richtige oder falsche Antwort und es gibt so viele Antworten, wie es Menschen auf der Erde gibt. Es gibt den jungen Mann, der am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht und der sich eine Basis schaffen möchte, auf der er sprichwörtlich ein Haus bauen und eine Familie gründen kann. Es gibt den Tüftler, der im Beruf seine Ideen verwirklichen möchte. Es gibt die 60-jährige Lohnbuchhalterin, die mit ihrer Arbeit den Kollegen pünktlich und sicher jeden Monat ihr Einkommen auf dem Konto garantieren möchte.

Die Qualität der Antworten auf die Frage „Wofür arbeiten Sie?“ war völlig unabhängig vom Bildungsniveau. Die Motivation, Geld zu verdienen, stand bei den spontanen Antworten interessanterweise so gut wie nie an erster Stelle. Im Gegenteil, die Antwort „Um Geld zu verdienen“ kam sehr selten und wurde spätestens im zweiten Satz durch eine Überlegung zum weitergehenden Sinn ergänzt.

Interessanterweise sind es oft die Menschen, die schon einmal eine Zeit der Arbeitslosigkeit erfahren haben, welche in der Arbeit einen tieferen Sinn erkannt haben. Dies waren oft bewegende Einsichten: „Ohne Arbeit ist das alles nix.“ – „Nee, nur zuhause rumsitzen ist schrecklich. Ich muss etwas tun.“ – „Ich muss mich selbst wieder im Spiegel anschauen können.“ – „Ich brauche eine Beschäftigung.“ – „Ich möchte endlich wieder etwas Sinnvolles machen.“ Diese Art von Antworten kamen spontan und ehrlich, besonders von Menschen, die eine Phase der Arbeitslosigkeit erlebt hatten.

Arbeiten, um Geld zu verdienen, ist generell ein verständliches Motiv. Eine ordentliche Bezahlung ist wichtig.

Sie ist aber mehr ein „Hygienefaktor“ in dem Sinne, dass eine als zu gering empfundene Bezahlung dauerhaft demotivieren kann. Eine Gehaltserhöhung oder eine Prämie etc. motivieren dagegen nur kurzfristig positiv, geben aber normalerweise keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn der eigenen Arbeit.

Diesen Sinn muss jeder für sich selbst finden und herausarbeiten. Er wird sich im Lauf des Lebens verändern, wie sich das Leben selbst und die eigenen Prioritäten verändern. Er kann nicht von einer anderen Person vorgegeben werden, sondern steckt in uns selbst.

Vergleichsweise einfach lassen sich Sinn und Motivation in einer Arbeit erkennen, die eine direkte positive Auswirkung auf unsere Mitmenschen hat. In Pflegeberufen ist dies ganz offensichtlich – hier tätige Menschen haben oft sehr ehrenwerte Motive und eine enorm starke intrinsische Motivation für ihre Arbeit. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass diese Berufe so fürchterlich schlecht bezahlt werden.

In unserem Unternehmen ist der Sinn der Arbeit schwerer zu vermitteln. Er ergibt sich natürlich einerseits aus dem Nutzen unserer Produkte für unsere Kunden. Die von uns gefertigten Bauteile sind unter unglaublich extremen Belastungen jahrzehntelang im harten Einsatz. Oft hängen Menschenleben davon ab, dass unsere Produkte zuverlässig das bieten, was die Konstrukteure unserer Kunden und wir selbst errechnet haben. Mit Hilfe unserer Bauteile erreichen Motoren über Jahrzehnte Höchstleistungen, wird Stärke oder Schokolade hergestellt, werden Öle separiert und Bleche sicher verzinkt.

Diese herausragenden Eigenschaften und vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten unseres Schleudergusses sind jedoch für den Mitarbeiter nur sehr abstrakt zu erfassen. Man muss sehr tief in die Anwendungstechnik unserer Kunden einsteigen, um die Besonderheiten zu verstehen und den unwahrscheinlich hohen Nutzen unserer Produkte nachzuvollziehen.

Doch der Sinn der Arbeit ergibt sich nicht nur aus dem Nutzen der Produkte für den Kunden.

Der direkte Nutzen, den der Kollege von einer qualitativ einwandfreien, zuverlässig ausgeführten eigenen Arbeit hat, ist da schon deutlich konkreter. Das Schleudergussverfahren ist an sich sehr aufwendig. Unter 100-facher Erdbeschleunigung wird hier ein Stahl oder Eisen von höchster Güte mit gewaltigem Energieeinsatz erzeugt. Aus der Zusammenarbeit von Menschen im Unternehmen für die Bewältigung einer solchen gemeinsamen Aufgabe ergibt sich ein unmittelbarer Sinn. Wir Menschen sind zutiefst soziale Wesen, so dass für uns aus einer guten Zusammenarbeit schon ein Sinn an sich entstehen kann. Die Freude darüber, dass „ein kompliziertes Bauteil einwandfrei aus der Maschine kommt“ (Zitat eines Mitarbeiters), gibt ebenso eine direkte Rückmeldung über den Erfolg der eigenen Arbeit wie das Endprodukt selbst. Auch wenn man gar nicht weiß, was einmal aus dem Bauteil entsteht, welches grade durch die eigenen Hände geht, kann man erkennen, dass die eigene Arbeitsleistung zu einem erfolgreichen Ergebnis geführt hat und der Kollege oder letztendlich der Kunde hierauf aufbauen kann.

Wofür arbeiten Sie? Es lohnt sich, darüber nachzudenken …

Kuhn Edelstahl produziert seit 1960 in Radevormwald hochwertige Bauteile aus Edelstahl. Das Familienunternehmen ist mittlerweile auf rund 300 Mitarbeiter herangewachsen. Mit Erfolg haben sie sich auf rotationssymmetrische Komponenten spezialisiert, die im Schleudergussverfahren hergestellt werden. Aufgrund der breit angelegten Fertigungsmöglichkeiten können sie alle Bauteile individuell nach Kundenwunsch endbearbeiten. Hier geht es zu aktuellen Job-Angeboten und Arbeitgeber-Informationen.

Eine Idee zu “Wofür arbeiten Sie?

  1. Claudia Grajek sagt:

    Die Frage warum ich arbeiten gehe, kann ich sofort beantworten und muss nicht überlegen: Für ein Pferd!

    Der Grund ist auch, weil diese Antwort meine gesamte berufliche Laufbahn bestimmt.
    Doch mir ist eins während meiner beruflichen Laufbahn klar geworden. Auch wenn man sein Hobby nicht zum Beruf macht, reicht es nicht, ein Hobby zu haben, welches Spaß macht. Nein, auch Arbeit muss Spaß machen. Denn wir verbringen so viel Zeit auf Arbeit, dass allein das Argument „Geld verdienen, um etwas zu bezahlen“ nicht ausreicht. Und egal wo man arbeitet, die Arbeit selbst sollte einem schon gefallen. Sonst wird man den Job nie wirklich gut ausüben. Und sich selbst zu motivieren, für etwas, was keinen Spaß macht, oder in dem man kein Sinn sieht, ist super schwer und auf Dauer weder für den Mitarbeiter noch für das Unternehmen von Vorteil.

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