Die stille Revolution

Den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass man sich am Abend nicht nur regelmäßig ausgelaugt und energielos fühlt und immer nur auf das nächste Wochenende hinarbeitet, ist ein Thema, das sicherlich viele Menschen beschäftigt. Allein aus dem Grund, dass mich ein körperliches Handicap zusätzlich herausfordert, möchte ich darauf achten, dass ich mich während der fünf Arbeitstage mit etwas beschäftige, das mich nicht nur Kraft und Energie durch viel Stress kostet, sondern mir durch interessante Aufgaben und motivierende Tätigkeiten auch Energie zurückgibt. Eine starke Rolle spielt dabei das Gefühl, dass ich spüre und weiß, wofür ich etwas tue – das sogenannte Know-why. Wenn ich das angestrebte Ergebnis kenne, weiß ich, wofür ich mich anstrengen muss, und fühle mich auch in meiner Kompetenz herausgefordert.

Das ist intrinsisch motivierter Eustress, der mir am Ende eines Tages das Gefühl gibt, zwar k. o. zu sein, aber etwas geschafft zu haben.

Mit dem Thema, das Know-why zurück in die Betriebe zu bringen, hat sich auch der Unternehmer Bodo Janssen in seiner Firma Upstalsboom, einer Hotel- und Ferienwohnungskette, beschäftigt. Auf seine Art der Auseinandersetzung mit diesem Thema bin ich erstmals über den Film „Der Upstalsboomweg“ positiv aufmerksam geworden, der bei Youtube frei zur Verfügung steht. Aufgrund des großen Interesses, welches dieser Film und auch das Thema auslösten, hat Bodo Janssen einige Zeit danach zunächst ein Buch („Die stille Revolution“) geschrieben und daraufhin gemeinsam mit dem Regisseur Kristian Gründling einen sehr inspirierenden Dokumentarfilm über den Kulturwandel in der Arbeitswelt ihres Unternehmens gedreht. Die Premiere fand in der Essener Lichtburg, Deutschlands größtem Filmpalast, statt.

Der Film „Die stille Revolution“ handelt von einem angestrebten und umgesetzten Kulturwandel in der Unternehmensführung der Hotelkette. Bodo Janssen hat sich nach einer niederschmetternden Mitarbeiterbefragung in seinem Unternehmen auf den Weg gemacht zu ergründen, was die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter und damit auch seine eigene Zufriedenheit als Führungskraft wieder stärken kann.

Dabei hat er festgestellt, dass Führung eine Dienstleistung für seine Mitarbeiter ist und kein Privileg, das er als Unternehmensnachfolger nun mal einfach so in die Wiege gelegt bekommen hat.

Führung ist eine Aufgabe, deren Erfolg schwer erarbeitet werden will. Den Mitarbeiter nicht mehr als Ressource zu betrachten, die es gewinnbringend auszunutzen gilt, sondern als Menschen, dessen Potenzial sich am besten entfaltet, wenn er Sinn findet in dem, was er tut, ist dabei eine Denkweise, die Bodo Janssen in seiner neuen Unternehmenskultur angestrebt hat. Know-why im Berufsalltag ist dabei das Schlüsselwort für den Kulturwandel, den „Der Upstalsboomweg“ und „Die stille Revolution“ zeigen möchten. Warum mache ich den Job, den ich mache? Wofür ist das gut, was ich tue? Trage ich etwas zum Großen und Ganzen bei? Das sind die Fragen, die es als „neue“ Führungskraft unterstützend bei den Mitarbeitern zu klären gilt. Denn ist diese Sinnfrage beim Mitarbeiter einmal zufriedenstellend beantwortet, dann kommt die Leistung und Motivation im Unternehmen von ganz alleine. Der Unternehmenserfolg resultiert ebenfalls hieraus. Eine klassische Win-win-Situation. Ich habe es im Fall von Bodo Janssen als eine Investition des Unternehmens in die „Selbstfindung“ des Mitarbeiters verstanden. Zunächst sogar unabhängig von einem ersichtlichen Mehrwert für das Unternehmen.

Also eine Investition ohne ersichtlichen Return on Investment.

Etwas für die Wirtschaftswelt eigentlich sehr Ungewöhnliches. Durch diese „selbstlose“ Investition des Unternehmens in seine Azubis und Mitarbeiter entwickelt sich jedoch eine Loyalität, die nicht mit Geld zu bezahlen ist und sich mit keinem Employer-Branding-Konzept erreichen lässt.

Eine sehr empfehlenswerte Dokumentation für jeden Arbeitnehmer, der sich mit dieser Thematik aufgrund einer akuten beruflichen Notsituation auseinandersetzt, aber auch für Personalmanager und Führungskräfte, die beschäftigt, wie sie in der heutigen Zeit ihre Mitarbeiter motivieren, fördern und an ihr Unternehmen binden können. Der Film wird im Frühjahr 2018 in Deutschland, Österreich und der Schweiz in ausgewählten Programmkinos ausgestrahlt.

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